aus:   Der Zwerg und der Bär

[...] "Gut", sagte der Zwerg, "dann können wir meinen Freund gemeinsam suchen." Nach einer Weile trafen sie mitten auf dem Weg eine stachelige Kugel, die schrecklich jammerte. Der Zwerg setzte sich neben die Kugel.
Er sagte: "Igel, was ist mit Dir? Dreh Dich doch mal um. Vielleicht kann ich Dir helfen." Da jammerte der Igel noch mehr. Deshalb bauten der Zwerg und der Hase und das Eichhörnchen eine Liege aus kleinen Zweigen und sie rollten den Igel vorsichtig auf die Liege und zogen und schoben ihn bis zum Waldrand. Da gab es einen Bach. Der Zwerg füllte seine Mütze mit Wasser und wusch den Igel sauber und legte ein sauberes Zwergen-Taschentuch auf die Wunde. Zum Glück war sie nicht so groß. 

Dann gab er dem Igel einen Tropfen Zwergen-Zauber-Medizin und eine Hand voll Wasser zu trinken. Da fühlte sich der Igel gleich viel besser. "Du armer Igel", sagte der Zwerg. "Der Hase kann bei Dir bleiben. Ich schaue heute Abend wieder nach Dir. Aber ich suche noch meinen Freund, den Bären." 

"Der Bär ist böse! Der Bär ist sehr böse! " rief der Igel. Mehr konnte er nicht mehr sagen, da war er schon eingeschlafen [...]



  aus:   Wer kennt schon den Herrn Kater?     
   
 Wenn es draussen mild ist und trocken, dann legt er
 
sich zwischen zwei kleine Heckenzypressen genau an der Ecke,
 wo er alles - selber ungesehen - überblicken kann. Nichts ist
 dann so selbstverständlich und in Ordnung wie er an diesem
 Platz. Sehen, was so vorgeht, mit dem Bauch auf der warmen
 Erde, ein paar Sonnenstrahlen auf dem Pelz und nur ein paar
 Schritte zu der Tür, hinter der die übrige Familie wohnt.
 
Sein Gesichtsausdruck ändert sich mit seinen Beobachtungen und Empfindungen. Wenn er [...]



  aus:   Die hellblaue Tonja

[...] Und es gab eine Blume, die sich selbst am Allerschönsten fand. Sie hatte einen festen, starken Stängel und einen hübschen rosa Blütenkelch und sie bekam viel Besuch von Bienen und Käfern. Weil sie dachte, sie wäre etwas Besonderes, redete sie nicht viel mit den Anderen. Es ging jeden Tag sehr lebhaft zu auf dem kleinen Fleckchen Erde. Immer gab es etwas zu beobachten, zu berichten, zu fragen und sogar zu arbeiten. Für eine Blume ist es nämlich schwere Arbeit, mit den feinen Wurzeln die Nahrung aus der Erde zu holen. Und wer die Blätter der Sonne nicht genug entgegenstrecken kann, der kann auch nicht richtig wachsen.

Mitten unter den Blumen und Gräsern war eine kleine Blume, die diese wichtigen Dinge nicht schaffte. Sie sah blass und dünn aus und war so zart hellblau, dass sie beinahe farblos wirkte. Ihr Stängel stand nicht gerade, sondern krumm, beinahe abgeknickt, als wäre sie schon zum Umfallen bereit. Die starke, gelbe Blume bemühte sich, der kleinen Schwachen jeden Tag eine Lektion zu erteilen, was sie tun müsste, um gesund und schön zu werden. Die Hellblaue übte geduldig, ihren Stängel dem Wind zu überlassen, damit er gekräftigt würde. Der Wind schüttelte sie auch wirklich kräftig und sang: "Wer kommt mit mir? Wer bleibt hier?" Vor Anstrengung bekam die zarte kleine Blume gelbe Flecken und die gelbe Blume rief stolz: "Siehst Du, langsam bekommst Du Farbe!" Aber gelb und elend sank die schwache Blüte nach unten und es dauerte lange, bis sie sich wieder erholte. 

Aber im Schlaf geschahen der kleinen Blume wundersame Dinge. Sie träumte von einer weißen Frau, die ihr köstliches Wasser brachte und ihre Blätter mit ihren heilenden Händen berührte. Dazu summte die weiße Fee ein Lied und die kleine Blume sang mit wie eine Nachtigall. Jeder Ton verwandelte sich in ein Vögelchen und die Vögelchen setzten sich im Kreis um die singende Blume, wiegten ihre Köpfchen und sangen mit. [...]